Amerika – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Auch wenn Karl Rossmann nicht ganz freiwillig nach Amerika auswandert, so scheint doch das Glück zunächst auf seiner Seite zu sein. Er hat einen wohlhabenden Onkel in New York, der ihn nicht nur aufnimmt, sondern ihn auch darin unterstützt, in dieser neuen und fremden Welt zurecht zu kommen. „Die ersten Tage eines Europäers in Amerika sind ja einer Geburt gleich.“ Der naive, aber von einem starken Gerechtigkeitssinn getriebene Karl, versucht alles richtig zu machen und begeht dabei einen Fehler nach dem anderen. Türen, die sich immer wieder wie von Zauberhand vor ihm öffnen, werden ohne Vorankündigung genauso schnell wieder zugeschlagen. Karl wird von seinem Onkel verstoßen, trifft auf Freunde, die zu Feinden werden, bekommt Arbeit und verliert sie wieder, er lernt Protegés kennen, die ihn kurze Zeit später verleumden oder übergriffig werden – nichts kann ihm Halt bieten in dieser Welt voller Willkür. In der größten Not, in der er nicht mehr sicher an Leib und Leben ist, öffnet sich eine neue Welt für ihn – eine Welt voller Verheißung von Güte, Annahme und Glück für alle, die einen Aufbruch ins Ungewisse wagen wollen.

 

Franz Kafkas unvollendeter Roman „Der Verschollene“ erzählt die Geschichte des jungen Karl Rossmann, der im unbekannten Amerika Fuß fassen und dabei ein guter Mensch bleiben will. Gefangen im Räderwerk des Kapitalismus wird er immer mehr in die Tiefe gezogen. Er trifft auf skurrile Gestalten, erlebt absurde Situationen und wandelt durch kafkaeske Räume. Verloren in einer fremden Welt findet Karl am Schluss doch noch einen Ausweg. Aber wohin ihn dieser Weg führt, bleibt ungewiss. Kafkas Roman behandelt viele seiner großen Themen: Fremdheit, Isolation und das Gefühl des Ausgeliefertseins. Er führt diese Themen aber zu einem überraschend leichten Ende.