Die Linie 912 fährt wie jeden Morgen ihre übliche Route durch die Vorstadt: Schüler:innen, Rentner:innen, eine Mutter mit Kinderwagen – nichts Außergewöhnliches, und dennoch ist genau diese Fahrt eine ganz besondere. Nicht weil es zum Unfall mit einer Schüssel Muffins kommt, sondern weil das Publikum die Ereignisse aus vielen verschiedenen Perspektiven erleben wird. Zwei Darsteller:innen spielen zehnmal dieselbe Episode und jedes Mal steht eine andere Hauptfigur im Mittelpunkt.
Zum Beispiel Uland, der mit Gipsarm und einem Blick, der alles scannt, in den Bus steigt – begleitet von seiner Mutter und Babyschwester Rubi, die auch mal Kekse statt Milch will. Ansgar schläft fast die ganze Fahrt über, wacht aber rechtzeitig für eine wichtige Entscheidung auf. Ida, die sonst jeden Tag zu dieser Zeit zum Grab ihres Mannes fährt, hat heute verschlafen, und Götz muss mal so dringend, dass er fast unter dem Bus landet. Enno hat gerade eine Weltmeisterschaft im Busfahren gewonnen und Nuno schafft es auf der Fahrt endlich, eine alte Freundschaft wieder aufleben zu lassen. Tami fährt sonst immer mit dem Rad zur Schule, aber heute ist der Reifen platt. Und dann ist da natürlich Leon, der die Muffins für seine Klasse im hohen Bogen verliert, dafür aber einen unvergesslichen Geburtstagsmoment geschenkt bekommt.
Thilo Reffert schenkt den kleinen und großen Zuschauer:innen mit „Linie 912“ einen großen Theaterspaß, der es zusätzlich zu Spielfreude und rasantem Tempo schafft, mit wenigen Strichen glaubhafte und warmherzige Figuren, Begegnungen und Beziehungen zu zeichnen – ein Stück über den Perspektivwechsel mit viel Action und beinahe philosophischem Tiefgang!