Wenn Kaja ihr leuchtendes Abenteuergesicht aufsetzt, weiß Ilvy, es folgt einer der besten Momente ihres Lebens. Oder einer der schlimmsten. Die besten Freundinnen kennen sich schon fast immer, schon seitdem Kaja im Freibad einen Jungen gewürgt hat, der Ilvy geschubst hat. Seitdem zählt für Ilvy nur: Kaja und Ilvy. Ilvy und Kaja. Sie springt ihrer Freundin nach – kopfüber. Und im gemeinsamen Rhythmus rast sie mit ihr durch die Nacht, immer auf dem Drahtseil zwischen Höhenflug und Absturz. Denn leider gibt es eben nicht nur Kaja und Ilvy, sondern zum Beispiel auch Kati Kosmonautin oder den Langen, von denen Kaja immer häufiger „eine bunte Tüte voller guter Laune“ kauft. Mit deren Hilfe taucht Kaja in eine Welt ab, in der sie weit entfernt von Ilvy ist, schmerzfrei und verrückt und fort von dem, was zuhause bei ihren Eltern geschieht. Ilvy kann diese entrückte Kaja kaum ertragen und doch würde sie immer alles für sie tun, weil sich alles andere falsch anfühlt. Als Kaja plötzlich verschwindet, steht daher für Ilvy glasklar fest, dass sie ihre Freundin finden muss. Gemeinsam mit Kaan, der wiederum alles für Ilvy tun würde, folgt sie Kajas Spuren, die ihr immer mehr über ihre Freundin verraten und Ilvy bald vor die schwerste Entscheidung ihres Lebens stellen.
Nora Hoch zeichnet in „Wir holen uns die Nacht zurück“ mit wilden und ebenso zarten Bildern die Geschichte einer tiefen Freundschaft und noch tieferen Abhängigkeit – von Menschen und Hilfsmitteln, von echtem Glück und gekauftem. Wie weit geht man für eine geliebte Person, wie viel Verantwortung trägt man für sie und für sich selbst und wann besteht die beste Hilfe darin, nicht mehr zu helfen?