Sam und Valentine haben nach 25 Jahren ihre Beziehung ordentlich vor die Wand gefahren. Sie beschuldigt ihren Mann, ein Auge auf die Freundin des Sohnes geworfen zu haben, er verdächtigt seine Frau, ihm bis heute eine verpasste Karrierechance zum Vorwurf zu machen. Die Zeit ist reif, dass endlich die ganze Wahrheit auf den Tisch kommt. In einer Paartherapie rollen sie die Vergangenheit ihres Beziehungslebens auf, alle bedeutenden Situationen werden im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal durchgespielt: Sams Restaurantgründung, Valentines Entlassung, die Geburt des gemeinsamen Kindes, Enttäuschungen und Seitensprünge. Dabei wird schnell klar: meist gibt es mehr als eine Version der Geschichte.
Das Besondere: die Paartherapeutin kommt nie zu Wort. Sam und Valentine liefern ihre Geschichte von der Bühne direkt an die Zuschauer:innen, doch natürlich erzählen sie nicht nur, sie spielen. In temporeichen Wechseln springen sie aus dem Gespräch in die jeweilige Szene ihres Lebens, um IHRE Version der Geschichte glaubhaft zu machen. Fast immer schreitet der andere Part ein, denn so war das ja alles gar nicht, sondern auf jeden Fall ganz anders.
„Meine Version der Geschichte“ ist eine brillant gebaute Komödie nicht nur über eine verkrachte Ehe, sondern über die universellen Tücken der Wahrheitsfindung. Sébastien Azzopardi wirft seine Figuren zwischen den Situationen ihres Lebens umher, lässt sie hemmungslos übertreiben, sich unterbrechen, gegenseitig entlarven und immer unter Beweis stellen: Die Wahrheit ist kein simpel Ding. Eine fulminante Gaudi, bei der präziser Dialogwitz und szenischer Klamauk gleichermaßen auftrumpfen!